Wir leben doch in einer Männerwelt!
Biologische Untersuchungen in letzter Zeit haben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, insbesondere was die Beziehungen der Männer zu ihren Geschlechtsgenossen angeht, in ein neues Licht gerückt. Der Kernpunkt scheint mir zu sein:
rasche Entwicklung erst vor etwa 750000 Jahren, während viele spezifisch menschliche Lebensstrukturen bereits viel früher entstanden sind. Das ist äußerst wichtig; es bedeutet, dass unser Intellekt auch heute noch im Rahmen eines sehr fest gefügten Programms agieren muss. Was uns auszeichnet, sind nicht die höheren Funktionen unseres Gehirns, sondern die Art, wie dieses ungemein komplizierte Organ die von den viel älteren Mechanismen eines primitiven Gehirns festgelegten, unelastischen und elementaren Strukturen reguliert, hemmt oder anregt.
Unsere Vergangenheit als Jäger macht sich jedoch noch in anderer Weise bemerkbar. Die Jagd war Männersache; darauf weisen viele Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin. Frauen können nicht so schnell und ausdauernd laufen wie Männer. Sie laufen zudem, weil ihr Becken für das Kinderkriegen gebaut ist, ungeschickter. Sie werfen nicht so kraftvoll und zielsicher wie Männer. Sie sind im Allgemeinen kleiner und schwächer und den unvermittelten Kraftanspannungen, die die Jagd verlangt, nicht gewachsen. Zudem wird die soziale und körperliche Leistungsfähigkeit der Frau vom Menstruationszyklus weit mehr bestimmt, als wir gemeinhin annehmen. Wir wissen heute, dass sich zum Beispiel
Es gibt eine — im Grund ebenso biologisch fundierte — Anziehung zwischen Männern, wie es eine Anziehung zwischen Mann und Frau gibt. Wie die Mann-Frau-Bindung, die instinktiv dem Überleben der Menschheit dient, ist auch die Bindung von Mann zu Mann von der Natur „programmiert”. Sie ermöglicht den Männern, miteinander zu jagen, miteinander zu verteidigen, miteinander die gesellschaftliche Ordnung zu sichern und funktionierende Hierarchien zu schaffen, die das Rückgrat menschlicher Gemeinschaften bilden.
Wir Menschen sind in den letzten zwei oder gar drei Millionen Jahren eine jagende Gattung gewesen. Unser Gehirn (genauer, unsere Großhirnrinde) ist eine verhältnismäßig neue Errungenschaft. Es begann seine
Unfallziffern und Examenserfolge unmittelbar vor und während der Menstruation merklich ändern.
Der entscheidende Unterschied ist natürlich, dass die Frau zu gewissen Zeiten völlig von den Kindern mit Beschlag belegt wird. In vorgeschichtlicher Zeit waren vermutlich fast alle erwachsenen Frauen entweder schwanger, oder sie hatten ein Kind an der Brust. Ihr Leben war ja kurz: fünfundzwanzig bis dreißig Jahre etwa. Hätte eine Frau zusätzlich die Gefahren der Jagd auf sich genommen, hätte sie wahrscheinlich weniger Kinder zur Welt gebracht als andere Frauen.
Ähnliches lässt sich auch heute noch beobachten. Das moderne Gegenstück zur Jägerin ist die Frau, die Karriere macht. Sie heiratet seltener als andere. Heiratet sie, so hat sie seltener Kinder. Hat sie Kinder, dann meistens weniger als der Durchschnitt. Wenn das so bleibt, wird sie die Erbanlagen ihrer Art weniger mitbestimmen als ihre häuslicheren Schwestern, und die Eigenschaften der erfolgreichen Jägerin werden in unserer genetischen Zukunft eine geringe Rolle spielen.
Aber der Ausleseprozess hat sich nicht nur gegen die Jägerin gewandt, sondern wahrscheinlich auch gegen die Männer, die Frauen zur Jagd zuließen. Frauen sind nicht nur weniger zur Jagd geeignet, sie bringen die Männer außerdem durch ihre Gegenwart aus dem Gleichgewicht. Ein hübsches Ding hat in vormenschlicher Zeit eine aufeinander eingespielte Gemeinschaft von Jägern ganz gewiss erheblich irritiert. Jäger, die Frauen mit auf die Jagd nahmen, waren daher weniger erfolgreich als diejenigen, die ihr Interesse an Frauen auf das Sexuelle und das Heim beschränkten.
Die Männer haben die Frauen also vermutlich im Lauf der Entwicklung aus ihrer Jagdgemeinschaft ausgeschlossen. Etwas anderes, sehr Wichtiges, kam hinzu: Männer suchten die Gemeinschaft von Männern, weil die Jagd in Gruppen im Laufe der Zeit an Bedeutung gewann. Ein Jäger konnte größere und gefährlichere Tiere nicht mehr allein jagen. Die Auslese hat also Männer begünstigt, die bereit und fähig waren, sich beim Jagen mit anderen zusammenzutun. Nicht der Einzelgänger war im Vorteil, sondern der Gesellige, der sich die Ziele der Gruppe zu Eigen machte. Die Männergemeinschaft ist ein Ergebnis des Ausleseprozesses.
In jeder menschlichen Gesellschaft unterscheidet man zwischen Männerarbeit und Frauenarbeit. Gewisse Dinge sind fast überall Männerarbeit, vor allem dort, wo Schnelligkeit und Gefahren eine Rolle spielen oder wo es um die Eroberung weiter Räume oder um große wilde Tiere geht. Aber auch Aufgaben, die die Gemeinschaft stellt, gehören dazu: Krieg, Hochfinanz, Regierung, Großindustrie, Rechtsprechung, Polizei und anderes. Frauen werden nur selten Gelegenheit bekommen (oder auch nur suchen), sich mit derartigen Aufgaben zu befassen.
Diese Tatsache, dass Frauen in nennenswerter Zahl nicht in die Reihen der Mächtigen aufgenommen werden, findet man in Ländern mit ganz unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen. Offensichtlich gehört das zum grundlegenden Verhalten der Art. Ein Urinstinkt scheint die Männer zu treiben, die Frauen zu beherrschen und von jeder Macht auszuschließen.
Alle Kulturen der Welt kennen irgendeine Art „Männerhaus”, einen Ort, an dem Männer nach der Arbeit zusammenkommen, um zu reden, zu politisieren, sich miteinander die Zeit zu vertreiben. Das könnte auf ein allgemeines Prinzip hindeuten, dass Männer Männer brauchen, unter Ausschluss der Frauen. Und doch haben wir in den letzten fünfzig Jahren alles getan, um den Männern das Leben unter Männern schwer zu machen. In der Erziehung wie im Gesellschaftsleben wird geleugnet und verschleiert, dass die Geschlechter verschieden sind und verschiedene Interessen haben.
Es ist heute gebräuchlich, Beziehungen von Mann zu Mann für weniger erwünscht zu halten als heterosexuelle — wenn sie nicht wie im Krieg unvermeidlich sind. Dazu kommt die unausrottbare Angst vor der Homosexualität. Wo bisher ausschließlich Jungen unterrichtet wurden, dringt jetzt die Koedukation vor, und eine an sich kleine, aber einflussreiche Gruppe von Feministen bemüht sich, den Männern jede Gelegenheit zu rein männlichen Kontakten in
Clubs, Universitäten und Kneipen zu beschneiden.
Frauen haben natürlich das Recht, gegen die Art zu opponieren, wie Männer ihre Zeit verbringen und ihre Angelegenheiten ordnen. Auf lange Sicht wird sich die Lage der Fran jedoch am ehesten verbessern lassen, wenn die Neigung oder vielleicht das instinktive Bedürfnis der Männer, sich zusammenzutun, akzeptiert statt bekämpft wird. Die Frauen müssten sich darüber klar werden, wogegen sie ankämpfen und wie behutsam sie vorgehen müssen, wenn sie Verhaltensweisen ändern wollen, die tief in der Natur des Mannes wurzeln.
Hoffentlich wird, was ich sage, nicht als reaktionäre Unterstützung einer Vorrangstellung des Mannes missverstanden. Ich habe hier lediglich eine Theorie vorgetragen, der neue wissenschaftliche Veröffentlichungen über die biologischen Grundlagen unserer Art zugrunde liegen, um zu zeigen, dass wir die Wirkung dieser Grundlagen auf unser Verhalten neu überdenken sollten. Männer brauchen die Gesellschaft von Männern, wie sie die von Frauen brauchen, das lehrt der Augenschein. Der überlieferte „Frauenhass” hat eine lange Geschichte.
Vielleicht ist es für Männer wie für Frauen biologisch notwendig, sich in Gesellschaft zu trennen — und sich zusammenzutun, wenn sie miteinander allein sind.
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